05.04.2026 Dr. Paul Schmidt: Mietwohnungsbau am Ende? Unternehmer redet Klartext (mit Video)

Die explodierenden Kosten im Wohnungsbau waren Thema eines öffentlichen Fachgesprächs des Nachhaltigkeitsbeirats des Deutschen Bundestags am 25. März 2026. Dabei sprach der als Sachverständiger geladene Mietwohnungsbau-Unternehmer Peter Buck Klartext: Auch unter optimalen Randbedingungen sei der Bau von Mietwohnungen nur noch Liebhaberei; richtig Geld verdienen könne man damit nicht mehr, sagte er sinngemäß auf die Fragen des Abgeordneten Dr. Paul Schmidt aus Karlsruhe (zum Video). Zuvor hatte Peter Buck detailliert über das letzte, über 130 Mietwohnungen umfassende Bauprojekt seiner Firma Fränkel AG in der Nähe von Friedrichshafen am Bodensee berichtet. Dr. Paul Schmidt ist als Abgeordneter Mitglied im Parlamentarischen Nachhaltigkeits-Beirat und Stellvertreter im Ausschuss für Bauen, Wohnen und Kommunales.

In Karlsruhe seien in den letzten zwei Jahren mehrere bereits begonnene Neubauprojekte gestoppt worden – die Finanzierungsbedingungen hätten zu hohe Mieten bedeutet, so Schmidt. Wenn die Gefahr bestehe, dass Mietwohnungen nach dem Bau leer stünden, weil es zu wenige gäbe, die sich die Miete leisten könnten, sprängen die Geldgeber ab.

Der Bau von Mietwohnungen koste in Deutschland heute 7.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und mehr; in Österreich könnten Wohnungen dagegen für zwei Drittel der Kosten gebaut werden, so Schmidt und weiter: „Über Jahre hinweg wurden Vorschriften, Auflagen und technische Anforderungen von den etablierten Parteien immer weiter verschärft. Im Ergebnis wurden die Mieten so teuer, dass neue Wohnungen gar nicht mehr gebaut werden, weil die entsprechenden Mieten nur noch von zu wenigen bezahlt werden können.“

Ein kompletter politischer Kurswechsel sei dringend erforderlich, so Schmidt: Weniger Bürokratie, weniger ideologisch motivierte Auflagen und eine Rückkehr zu wirtschaftlich vernünftigem Bauen! Denn eines sei klar: „Mit immer mehr Vorschriften lässt sich kein bezahlbarer Wohnraum schaffen.“

Wer immer höhere Standards verlange und Vorschriften verschärfe, müsse auch sagen, wer die Rechnung bezahle. Im Mietwohnungsbau sei das aber am Ende immer der Mieter. Und wenn dieser die Kosten nicht tragen könne, dann springe der Staat ein – über Wohngeld und Subventionen. Das bedeute: Am Ende zahle die Allgemeinheit, wenn überhaupt noch Mietwohnungen gebaut würden.

Das eingangs genannte Beispiel am Bodensee zeigt deutlich: Auch unter den dort vorhandenen optimalen Voraussetzungen – das Grundstück befand sich bereits im Besitz der Firma und wurde von Gewerbe- zu Wohnbau-Fläche umgewidmet – bedeuten Herstellungskosten von rund 7.000 Euro pro Quadratmeter, einer angenommenen Tilgungsrate von 3 Prozent mit einem durch den Bund geförderten zinslosen Darlehen, dass 210 Euro pro Jahr und Quadratmeter erwirtschaftet werden müssen. Umgerechnet sind das bereits 18 Euro Netto-Miete pro Quadratmeter im Monat – noch bevor Nebenkosten berücksichtigt sind. Für viele Familien sind solche Mieten schlicht nicht mehr bezahlbar.

 

Weitere Informationen finden Sie hier:
Zum Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung, 15. Sitzung (externer Link zum Deutschen Bundestag)

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