Dr. Paul Schmidt (AfD): Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor drei Tagen erschien in der Onlineausgabe der „Berliner Zeitung“ ein Artikel mit…
Meine Woche vom 2. bis 6.11.2026
Die erste Sitzungswoche im November ist wieder rum. In Berlin ist es deutlich kühler geworden; an 2 °C muss man sich erst wieder gewöhnen. Als Fachmann für Strahlenschutz war ich bei einer Anhörung gefordert. Dann ging es um das Pflegeneuordnungsgesetz. Und das 5. Corona-Symposium fand auch diese Woche statt.
Am Mittwoch war ich als Mitglied des Umweltausschusses bei der öffentlichen Anhörung zur geplanten Novelle des Strahlenschutzrechts gefordert. Die Bundesregierung will Bürokratie abbauen, Verwaltungsverfahren digitalisieren und neue Regeln für die Kernfusion schaffen. Mir ging es aber um eine grundsätzliche Frage: Entsprechen unsere Strahlenschutzvorschriften noch dem aktuellen Stand der Wissenschaft?
Als Physiker habe ich in meiner Promotion die biologische Wirkung unterschiedlicher Strahlenarten erforscht und danach über 25 Jahre in der Kerntechnik gearbeitet. Diese Erfahrungen konnte ich in die Diskussion mit den Sachverständigen einbringen. Im Mittelpunkt meiner Fragen stand das sogenannte LNT-Modell („linear, no threshold“). Auf Deutsch heißt das „Lineares Modell ohne Schwellenwert“. Es geht davon aus, dass das gesundheitliche Risiko immer proportional zur Strahlendosis ist, auch bei sehr kleinen Dosen.
Gerade bei Röntgen- und Gammastrahlung ist diese Annahme im Niedrigdosisbereich mit hohen Unsicherheiten verbunden. Der Sachverständige Dr. Götz Ruprecht unterstützte meine Forderung, die wissenschaftlichen Grundlagen und die geltenden Grenzwerte zu überprüfen und die strahlenbiologische Forschung auszuweiten. Die Sachverständige der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt bestätigte, dass das LNT-Modell ein vereinfachendes Modell für die praktische Anwendung des Strahlenschutzes ist. Mehr Forschung hält auch sie für nötig.
Ein weiteres Thema war die Kernfusion. Hier habe ich auf den erheblichen Forschungsbedarf bei Werkstoffen und beim Schutz vor hochenergetischer Neutronenstrahlung hingewiesen. Die Anhörung hat mir gezeigt: Wir brauchen mehr strahlenbiologische Forschung, verlässlichen Strahlenschutz, aber auch Mut, bestehende Vorschriften anhand neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zu überarbeiten. Übertriebene Vorsicht darf Forschung und technische Entwicklung nicht erschweren. Sicherheit und wissenschaftlicher Fortschritt gehören zusammen.
Am Donnerstag stand im Deutschen Bundestag die erste Lesung des Gesetzes zur Neuordnung der Pflegeversicherung auf der Tagesordnung. Was uns die Bundesregierung als große Reform verkauft, ist für mich ein Armutszeugnis. Die Beiträge sollen angeblich stabilisiert und die Pflege zukunftsfest gemacht werden. Tatsächlich sollen Kinderlose noch stärker belastet werden: Ihr Beitragszuschlag steigt von 0,6 auf 0,9 Prozentpunkte. Auch Gutverdiener, Minijobber und bisher beitragsfrei mitversicherte Ehepartner sollen jetzt zahlen.
Gleichzeitig wird bei den Leistungen gespart. Der Entlastungsbetrag von 131 Euro für Menschen mit Pflegegrad 1 soll entfallen, die Voraussetzungen für die Einstufung in einen Pflegegrad werden verschärft, und die für 2028 vorgesehene Anpassung der Pflegeleistungen an die gestiegenen Kosten wird gestrichen. Wer das als Stabilisierung feiert, verschweigt, wer am Ende die Rechnung bezahlen muss: die Beitragszahler, die Pflegebedürftigen und ihre Familien.
Schon in meiner Rede am 15. Oktober im Bundestag habe ich gefordert, gesamtgesellschaftliche Aufgaben endlich aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren, denn die Beiträge zur Pflegeversicherung sind Teil der zu hohen Lohnnebenkosten. Allein die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige kosten die Pflegeversicherung jährlich knapp fünf Milliarden Euro. Hier muss eine grundlegende Reform ansetzen.
Am 6. und 7. November fand das inzwischen 5. Corona-Symposium unserer AfD-Bundestagsfraktion statt. Unter dem Motto „Sieben Jahre danach – die Aufarbeitung geht weiter“ diskutierten zahlreiche Experten aus Medizin, Wissenschaft, Recht und Politik über die Corona-Jahre und ihre Folgen. Als stellvertretendes Mitglied im Gesundheitsausschuss war ich dabei und war beeindruckt, was hier auf die Beine gestellt wurde.
Von der Arbeit der parlamentarischen Enquete-Kommission über zahlreiche mögliche Impfschäden und die Einschränkung von Grundrechten bis hin zu den teuren gesellschaftlichen Folgen der Corona-Maßnahmen wurde ein breites Spektrum behandelt. Ich bin stolz darauf, dass wir als AfD-Bundestagsfraktion die Aufarbeitung der Corona-Politik weiter mit Nachdruck verfolgen. Während andere Parteien das Thema am liebsten zu den Akten legen würden, stellen wir Fragen und geben kritischen Stimmen ein Forum.
Ich habe Bundesbauministerin Verena Hubertz schriftlich gefragt, welche konkreten Änderungen am Baugesetzbuch sie mit dem angekündigten „zweiten Bau-Turbo“ plant. Hintergrund ist ein Bericht des Handelsblattes vom 7. Oktober 2026, in dem die Ministerin einen neuen Anlauf zur Entschlackung des Baugesetzbuches angekündigt hatte. Ich wollte deshalb wissen, welche Paragrafen geändert werden sollen und welche konkreten Erleichterungen für das Bauen vorgesehen sind.
Die Antwort der Bundesregierung ist ernüchternd. Statt die angekündigten Neuerungen zu erläutern, verweist sie lediglich auf einen Gesetzentwurf, den das Kabinett bereits am 27. Mai 2026 beschlossen hatte. Das wirft die Frage auf, was an dem im Oktober angekündigten „zweiten Bau-Turbo“ überhaupt neu sein soll. Auf meine ausdrückliche Bitte, die geplanten Änderungen einzeln aufzulisten, geht die Bundesregierung nicht ein.
Eine vollmundige politische Ankündigung erweist sich als „kalter Kaffee“, auf konkrete Nachfrage folgt lediglich der Verweis auf einen Monate alten Gesetzentwurf. So schafft man weder Transparenz noch Vertrauen in eine wirksame Beschleunigung des Wohnungsbaus.
Nach einem kurzen Wochenende in Baden-Württemberg geht es für mich am 9. November gleich mit der nächsten Sitzungswoche weiter. Ihnen/Euch wünsche ich weiter eine gute Zeit!
Ihr/Euer
Paul Schmidt
PS: Auf das Salzschmelze-Reaktor Kernforschungs-Symposium habe ich schon hingewiesen – am 13. November 2026 findet es ab 15 Uhr im Deutschen Bundestag statt. Die Anmeldung ist noch möglich unter
Zur Webseite Anmeldung Salzschmelze-Reaktor Symposium der AfD-Bundestagsfraktion (externer Link)


